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Berlin-Brandenburg

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Bekanntmachung eines
Forschungsschwerpunktes „Freizeitverkehr"

Ansprechpartner
im Projektträger

MA-Soz. Thomas Richter Tel. 0221-806-1660
Dipl.-Volksw. Nicole Ankelin Tel. 0221-806-3329

I. Zuwendungs-/Förderzweck

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beabsichtigt, den Aufbau interdisziplinärer Netzwerke mit Experten aus Praxis und Wissenschaft zur Stärkung einer systemintegrierenden Verkehrsforschung zu unterstützen. In diesem Rahmen sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für eine wirtschaftlich und ökologisch effizientere Gewährleistung von individueller Freizeit-Mobilität verbessert und innovative Konzepte zur Lösung konkreter Probleme des Freizeitverkehrs in ausgewählten Bereichen demonstriert werden.

II. Hintergrund

Die Verkehrsforschungspolitik der Bundesregierung hat zum Ziel die Weiterentwicklung eines leistungsfähigen und umweltverträglichen Verkehrssystems sowie die Stärkung einer wettbewerbsfähigen Verkehrswirtschaft, die ökologisch und ökonomisch effizient sozialverträgliche Mobilität ermöglichen.

Die Forschung soll somit beitragen zu Effizienzsteigerung und verkehrsreduzierenden Strukturen im gesamten Verkehrsnetz, zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und qualitativer Aspekte der Mobilität, zur Reduzierung von Umwelt- und Gesundheitsbelastungen sowie zum Übergang in eine nachhaltige Wirtschaftsstruktur mit vermehrter Nutzung erneuerbarer Ressoucen.

Diese Zielbereiche bilden den Handlungsrahmen für die staatliche Förderung der wissenschaftlichen Forschung und der Entwicklung von Schlüsseltechnologien und -konzepten für eine optimierte Gestaltung des Verkehrs.

Die wirksame Umsetzung von Forschungsergebnissen und Technologien in die Praxis soll durch die frühzeitige Einbindung und Information potentieller Anwender und Nutzer, der rechtzeitigen Berücksichtigung politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen sowie durch neue Formen des Kooperations- und Projektmanagements erreicht werden. Grundlage hierfür ist ein intensiver Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, den betroffenen Ressorts und relevanten gesellschaftlichen Gruppen über ihre jeweilige Rolle bei der Problemlösung und Finanzierung.

Da der Freizeitverkehr wegen seiner hohen Zuwachsraten und seines hohen Anteils an der Personenverkehrsleistung eines der bedeutendsten Segmente im Personenverkehr darstellt, dieser zugleich aber noch weitgehend unerforscht ist, ergibt sich die Notwendigkeit einer differenzierten Analyse des Freizeitverkehrs verbunden mit Problemlösungsansätzen als ein wichtiges forschungspolitisches Ziel.

III. Themenfeld Freizeitverkehr: Problemlage und strategische Ziele

1. Problemlage

Der Freizeit- und Urlaubsverkehr weist in den letzten Jahrzehnten die stärksten Zuwachsraten aller Verkehrszwecke auf. Eine Umkehr dieses Trends ist auch in näherer Zukunft kaum zu erwarten.

Nach der derzeit verfügbaren deutschen Verkehrsstatistik finden etwa 40% aller Wege und 50% aller Personenkilometer im Freizeitverkehr (mit einer Dauer bis zu vier Tagen) und Urlaubsverkehr (ab fünf Tage) statt, wobei wegen noch offener Abgrenzungsprobleme in der Verkehrsstatistik systematische Fehlschätzungen wahrscheinlich sind.
Der PKW ist heute mit rd. 80%-Anteil das dominierende Verkehrsmittel im Bereich der Freizeitmobilität in Deutschland.

Die vielfältig bekannten ökologischen und sozialen Folgen von Umweltbelastungen und Staus infolge von Kapazitätsengpässen verbunden mit Zeit- und Komfortverlusten gefährden zunehmend das Ziel einer dauerhaften Mobilität und damit letztlich das Ziel eines nachhaltig wettbewerbsfähigen Standorts Deutschland.

Während der Berufs-, Geschäfts- und Ausbildungsverkehr hinsichtlich seines zeitlichen Auftretens und seines Ablaufes (Ziel, Verkehrsmittel und gewählte Route) einen hohen Grad an Regelmäßigkeit aufweist, sind sämtliche Merkmale des Freizeitverkehrs durch eine große Variabilität, Spontaneität und Zufälligkeit geprägt.

Wegen der hiermit verbundenen Komplexität bezüglich der Ursachen, Wirkungen und Einflußmöglichkeiten ergibt sich die Notwendigkeit einer forschungsgeleiteten, differenzierten Analyse sowie einer effizienten und ökologisch verträglichen Gestaltung des zukünftigen Freizeitverkehrs.

2. Strategische Ziele

Das BMBF verfolgt mit der Ausschreibung zwei grundlegende Ziele, die sich in ihrer jeweiligen Fokussierung bei der Lösung konkreter verkehrlicher Probleme zwingend ergänzen.

Es geht einerseits um vertiefte Erkenntnisse über die individuellen Bestimmungsgründe und die Einflußfaktoren des Mobilitätsverhaltens insbesondere in konkreten Problembereichen des Freizeitverkehrs sowie andererseits um die nachhaltige Bewältigung von Mobilitätsengpässen und Problemen für einen umweltschonenden und sozialverträglichen Ablauf des Freizeitverkehrs u.a. durch die Erprobung neuer Formen und Möglichkeiten vor Ort.

Strategisches Ziel ist somit letztlich die Unterstützung von praxisnahen Entwicklungsansätzen für eine nutzerorientierte und zugleich ökologisch verträgliche Gestaltung des wachsenden Freizeitaufkommens. Dabei wird auch die Übertragbarkeit von erprobten Lösungen in regionalen Testfeldern auf andere Gebiete angestrebt.

Zur Erreichung der übergeordneten Ziele ist es angesichts der Komplexität der Thematik notwendig, interdisziplinäre Projektnetzwerke zu bilden, um so Erfahrungen und Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft sowie der Disziplinen untereinander zusammenzuführen und für neue Lösungen zu nutzen.

Zu diesen Disziplinen gehören im beschriebenen Kontext insbesondere Verkehrs-, Sozial, Wirtschafts- und Tourismuswissenschaft, Psychologie und Kulturwissenschaft. An diesen Netzwerken sollten - wie die o.g. Disziplinen in Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabenstellung - ebenso betroffene und interessierte Unternehmen beteiligt sein wie z.B. Transportdienstleister, das Tourismus- und Fremdenverkehrsgewerbe oder auch die Freizeitindustrie.

IV. Gegenstand der Förderung

1. Thematische Eingrenzung "Freizeitverkehr"

Wegen des sehr dispersen und heterogenen Phänomens "Freizeitverkehr" konzentriert sich die vorliegende Ausschreibung auf den täglichen Freizeitverkehr und auf Kurzreisen innerhalb Deutschlands im Zeitbereich von einem bis zu vier Tagen. Eingeschlossen sind damit neben den alltäglichen Freizeitverkehren auch der Wochenendfreizeitverkehr, der Tagesausflugs- und Kurzurlaubsverkehr sowie der Freizeitverkehr an den Zielorten.

Der tägliche Freizeitverkehr erscheint als das bisher am wenigsten erforschte Phänomen mit großen definitorischen Unsicherheiten. Wichtige Aspekte reichen u.a. von Wegeketten über die Vermischung von Fahrtzwecken bis zur verschwimmenden Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Der Forschungsbedarf leitet sich aus dem wachsenden Anteil der Freizeitaktivitäten an den generellen täglichen Verkehrsproblemen ab.

Die in den letzten Jahren zu verzeichnende Präferenz für mehrere Kurzreisen an Stelle eines längerfristig geplanten Jahresurlaubes schafft vielfältige verkehrliche Probleme sowohl bei der individuellen An- und Abreise als auch bei der ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Bewältigung der Verkehrsengpässe am Zielort. Es gilt, neue ökologisch und ökonomisch nachhaltige Mobilitätsmöglichkeiten im Freizeitverkehr zu analysieren, zu entwickeln und möglichst vor Ort zu demonstrieren.

Der Ferntourismus, der zum Urlaubsverkehr gezählt wird, wirft zweifellos auch vielfältige Zielkonflikte zwischen Ökonome und Ökologie auf. Er ist jedoch wegen seiner komplexen internationalen Zusammenhänge nicht Gegenstand dieser Ausschreibung.

2. Forschungsleitende Informationen

Das im Vorfeld zu dieser Förderbekannmachung zusammengetragene Expertenwissen erbrachte folgende Problem- und Erklärungszusammenhänge, die beispielhaft und ohne Anspruch auf Vollständigkeit das Wissensdefizit im Freizeitverkehr verdeutlichen. Die in einem Projektnetzwerk zu realisierende interdisziplinäre Bearbeitung der genannten Themenfelder zum "Freizeitverkehr" könnte sich deshalb u.a. von folgenden Aspekten leiten lassen:

  • Arten, Ziele und Umfänge von Freizeitverkehr sowie unterschiedliche gesellschaftlicher Zielgruppen im Hinblick auf Handlungsalternativen zu konkreten Problemfeldern.
  • Determinanten bei der Entscheidung für bestimmte Mobilitätsformen im Freizeitverkehr, mögliche Alternativen, sowie der damit verbundenen Transportmittel- und Wegewahl (u.a. Soziodemographie, ökonomische Einflüsse, sozialräumliche Einflüsse, Lebenslagen, Freizeit- und Verkehrsangebote, momentane und zukünftige gesellschaftliche Trends, gesellschaftliche Symbole und Wertewandel, Individualisierungs- und Globalisierungstendenzen).
  • Mobilitätsbestimmende Motive, individuelle Raumwahrnehmung und Mobilitätsstile, Bewegungserlebnisse , Routinen (habits) und Präferenzen im Freizeitverkehr.
  • Wechselwirkungen des Freizeitverkehrs zum Arbeits- und Ausbildungsprozeß, zu Reproduktionsaufgaben (u.a. Versorgung, soziale Kontakte..) sowie zu Wohnumfeldern.
  • Verkehrliche Auswirkungen in unterschiedlichen Zielgebieten des Freizeitverkehrs (Großeinrichtungen, Events, Naherholungsgebiete etc.).
  • Variabilität und Dynamik des Freizeitverhaltens und des Freizeitverkehrs und deren mögliche Entwicklungstendenzen auf mittlere Sicht in Relation zu den sich im Lebenszyklus wandelnden Präferenzstrukturen von Verkehrsteilnehmern.
  • Sicherheitsaspekte im Freizeitverkehr, z.B. im Hinblick auf das subjektive Sicher-heitsempfinden sowie gruppendynamische Prozesse, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Strukturelle und organisatorische Lösungsansätze, die u.a. Aspekte des Sozialverhaltens und der sozialen Kontrolle beinhalten.

3. Methodische Implikationen und Randbedingungen

Das Thema Freizeitverkehr erfordert eine multidisziplinäre Vorgehensweise.
Deskriptive, repräsentative und simulierende Betrachtungen der Verkehrswissenschaft sollen ergänzt werden durch qualitative, schließende und verstehende Verfahren der empirischen Sozialforschung. Auch die Entwicklung und der Einsatz neuer Erhebungsmethoden kann zielführend sein.
Die gewählten Forschungsthemen sind anwendungsorientiert aus konkreten Problembezügen und forschungsleitenden Hypothesen zu begründen. Entwickelte innovative Problemlösungen sollen umsetzungsorientiert und verifizierbar sein u.a. auch durch exemplarische, pilothafte Implementierung in einem klar umrissenen Bereich.

V. Zielgruppen der Bekanntmachung

Die Bekanntmachung richtet sich in erster Linie an

- Forschungseinrichtungen der

  • Verkehrs-, Wirtschaftswissenschaften und Logistik
  • Sozial-, Kulturwissenschaften und Psychologie
  • Tourismuswissenschaften
  • Umweltforschung,

- Marktforschungsbereiche von Mobilitätsdienstleistern,

- Unternehmen und Verbände des Tourismusgewerbes und der Freizeitindustrie,

- Unternehmen, Einrichtungen und Institutionen der Infrastruktur-, Verkehrs- und Städteplanung

die bereit sind, zu o.g. Forschungsthemen in interdisziplinären Netzwerken zusammenzuarbeiten.

VI. Verfahren der Antragstellung

Das formale Verfahren der Antragstellung untergliedert sich in zwei Stufen.

Antragsteller reichen Vorschläge für Projektnetzwerke zunächst in Form einer Ideenskizze bis zum 15.07.1999 ein. Aus den eingereichten Vorschlägen werden unter Einschaltung eines externen, unabhängigen Expertengremiums bis Ende September 1999 die prioritären Vorschläge ausgewählt, die anschließend von den Antragstellern zu förmlichen und umfassenden Projektanträgen zügig ausgearbeitet werden sollen.

Als Ideenskizze wird eine knappe Beschreibung (max. zehn Seiten) mit folgender inhaltlicher Gliederung erwartet:

  • Welche Forschungsthemen im "Freizeitverkehr" sollen untersucht werden? (vgl. Pkt. IV.1)?
  • Stand des derzeitigen Wissens in diesem Themenfeld (Problembeschreibung).
  • Vorhabenbeschreibung; insbesondere Darstellung der Ziele, Arbeitshypothesen und der methodischen Vorgehensweise zur Untersuchung des angesprochenen Problembereichs
  • Darstellung des adressaten- und damit zielgruppenspezifischen Untersuchungsansatzes (z.B. nutzerbezogene Untersuchungsmethodik) sowie ggfs. des Problemlösungsansatzes für eine exemplarische Implementierung in einem klar abgegrenzten Bereich/Feld und Angaben zu deren Evaluation.
  • Kurzbeschreibung der beabsichtigten Netzwerkstruktur (Angabe der Kooperationspartner und der angestrebten Form der Zusammenarbeit bei der Projektdurchführung.
  • Geschätzter Aufwand und Laufzeit des Vorhabens und eingebrachter finanzieller Eigenanteil der Kooperationspartner.

 

Der Förderung der Vorhaben liegen die geltenden Förderrichtlinien des BMBF zugrunde. Die Förderung erfolgt im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel. Ein Anspruch auf Gewährung der Zuwendung besteht nicht.
Das BMBF geht davon aus, daß die am Projektnetzwerk beteiligten gewerblichen Partner einen angemessenen Anteil an den Projektkosten tragen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat mit der Abwicklung dieser Fördermaßnahme den

Projektträger Mobilität und Verkehr
TÜV Rheinland Sicherheit und Umweltschutz GmbH
Am Grauen Stein
51105 Köln
Tel.: 0221/806-2490/1660/3329
Fax: 0221/806-2712
Mail: [email protected]

beauftragt.

Ideenskizzen können ab sofort bis spätestens 15.07.1999 (Ausschlußfrist) dort eingereicht werden.

Bonn,den

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Im Auftrag

Dr. Matthes

Ansprechpartner
im Projektträger

MA-Soz. Thomas Richter Tel. 0221-806-1660
Dipl.-Volksw. Nicole Ankelin Tel. 0221-806-3329

 
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